365 Tage in Deutschland
Migration aus Sicht von Kindern und Jugendlichen

Anhand der Analyse der kulturellen Route Rumänien-Deutschland möchten wir auf die Auswirkungen des Phänomens Migration unter Jugendlichen aufmerksam machen und zwar sowohl bei denjenigen, die in eine andere Kultur ziehen, als auch bei denjenigen, die sie willkommen heißen.

Die Arbeitsmigration ist seit 1989 eines der wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Phänomene in Rumänien, mit vielfältigen Konsequenzen auf der Ebene des Zerfalls der Familie, der Rekonstruktion subjektiver Anpassungs- und Entwurzelungswege. Die Migrationskarte zeichnet die persönlichen Wege von Millionen von Menschen nach, die nach einem Ort suchen, an dem sie nicht nur überleben, sondern sich eine menschenwürdige Existenz aufbauen können. Das Projekt „365 Tage in Deutschland“ legt subjektiv und politisch den Fokus auf eine von der Gesellschaft marginalisierte und teils mit negativen Ressentiments konfrontierten Gruppe in Europa. Obwohl zwischen Deutschland und Rumänien im Laufe der Geschichte eine starke Verbindung existiert hat – wenn man z.B. an die Deutsche Minderheit in Rumänien denkt und an die Auswanderung der Rumänen nach Deutschland – haben die Rumänen in Westeuropa heutzutage meist einen negativ besetzten Ruf und werden mit negativen Ressentiments konfrontiert. Ziel des Projekts ist es, anhand der Analyse der kulturellen Route Rumänien-Deutschland generell auf die Auswirkungen des Phänomens Migration unter Jugendlichen aufmerksam zu machen und zwar sowohl bei denjenigen, die in eine andere Kultur ziehen, als auch bei denjenigen, die sie willkommen heißen.

 

„365 Tage in Deutschland” ist ein Projekt, in dem rumänisch-deutsche Künstler*innen mit Mitteln des Theaters und der Foto- und Videokunst in biografischer Form Themen wie Freundschaft, Empathie und Entfremdung aus Sichtweise der Migrant*innen nachgehen, um ein Kaleidoskop des Migrant*innen-Status in der Stadt Berlin darzustellen. Am Projekt arbeiten berliner Kulturschaffende und Künstler*innen aus Rumänien gemeinsam mit rumänischen Communities aus Berlin, einer 8. Klasse der Hector-Peterson-Schule in Kreuzberg und dem Rumänischen Kulturinstitut. Durch die Comment-Funkion am Ende der Webseite unterstützt das Projekt die Beteiligung (junger) Menschen, die ihre eigenen Erfahrungen zum Thema Migration in diesem virtuellen Raum einfließen lassen wollen. 

 

Das Projekt wurde vom Fonds Soziokultur e.V. gefördert. Mit freundlicher Unterstützung des Rumänischen Vereins zur Förderung der Darstellenden Künste Bukarest durch Mittel der Verwaltung des Nationalen Kulturfonds / Administrația Fondului Cultural Național (AFCN) Rumänien und des Goethe-Instituts Bukarest. In Zusammenarbeit mit der Hector-Peterson-Schule und dem Rumänischen Kulturinstitut Berlin. Das Projekt gibt nicht unbedingt den Standpunkt der Verwaltung des Nationalen Kulturfonds AFCN wieder. AFCN ist nicht verantwortlich für den Inhalt des Projekts oder die Verwendung der Ergebnisse des Projekts. Dies liegt ausschließlich in der Verantwortung der Begünstigten der Finanzierung.

 
 
TEIL 1: LIEBES DEUTSCHLAND

Ausgehend von einer Recherche in den rumänischen Communities in Berlin und basierend auf Interviews mit der 8. Klasse der Hector-Peterson-Schule haben die Dramatikerin Mihaela Michailov und der Regisseur Radu Apostol zusammen mit der Schauspielerin Estera Stan das Theaterstück Liebes Deutschland realisiert. Mit Hilfe des Videokünstlers Andrei Bârză wurde das Theaterstück als Video geschnitten und online gestellt.

 
 
TEIL 2: FALLSTUDIE - HECTOR-PETERSON-SCHULE

Die Hector-Peterson-Schule in Berlin ist eine Schule, an der Schüler*innen unterschiedliche kulturelle Hintergründe haben. Die meisten von ihnen stammen aus kulturell gemischten Familien. In Deutschland wird das Wort Migrationshintergrund verwendet, um diese Mischung zu beschreiben. Ciprian Marinescu führte Interviews mit den Schüler*innnen dieser Klasse, um mit ihnen das Phänomen der Migration zu hinterfragen. Die entstandenen Videos wurden von dem Videokünstler Andrei Bârză in mehreren Montagen zusammengefügt.

 
 
365 Tage in Deutschland untersucht das Phänomen der Migration aus Sicht von Kindern und Jugendlichen, ausgehend von der Analyse der Kulturroute Rumänien-Deutschland. Das Projekt erweitert die Forschung jedoch allgemein auf Kinder und Jugendliche, die in verschiedenen Lebensphasen mit Migration konfrontiert waren. Im dritten Teil des Projekts präsentieren wir Interviews mit diesen Kindern und Jugendlichen
 
 
CREDITS

Theaterautorin, künstlerische Leitung für Liebes Deutschland: Mihaela Michailov

Regie, künstlerische Leitung für Liebes Deutschland: Radu Apostol

Produktionsdramaturgie, künstlerische Leitung: Ciprian Marinescu

Videogestalter, Editor: Andrei Bârză

Art director, Grafikdesign: Dan Lancea 

Theaterpädagogik: Julia Schreiner

Kuratorin virtueller Raum: Silke Wittig

Musical coaching: Monica Ciută

Übersetzung Theaterstück und Texte Website: Frank Weigand, Ciprian Marinescu

Projektleitung Hector-Peterson-Schule: Benita Bandow

Sozialarbeiterin: Mara Cîrpanu

Sozialarbeiterin: Mona Vintilă

Mihaela Michailov

ist Autorin, Theaterkritikerin und Mitbegründerin des REPLIKA - Center for Educational Theater. Sie ist promovierte Dozentin an der Nationalen Universität für Theaterkunst und Kinematographie „I.L. Caragiale“. Sie entwickelte pädagogische Theaterprogramme und koordinierte Theaterworkshops für Jugendliche und ältere Menschen. Ihre Stücke konzentrieren sich auf relevante Themen für Jugendliche: Mobbing, Versagen des Bildungssystems, allein lebende Kinder, deren Eltern im Ausland arbeiten, Kinderrechte usw.

Radu Apostol

geboren 1977 in Bukarest, ist Theaterregisseur, Doktorand, Dozent an der Nationalen Universität für Theaterkunst und Kinematographie "I.L. Caragiale", Mitbegründer des REPLIKA - Center for Educational Theater, Gewinner des UNITER-Debüt-Preises und des Opera-Prima-Preises. Radu war 2005 ein CEC ArtsLink-Stipendiat mit einem Residenzaufenthalt bei der Cornerstone Theatre Company, Los Angeles, Doktorvater in der Direktion der UNATC Bukarest, Mitbegründer von Dramakum. Er inszenierte community theatre, pädagogische Theateraufführungen und zeitgenössische rumänische Stücke.

Ciprian Marinescu

ist Journalist, Kulturmanager und Übersetzer von Theaterstücken aus dem Deutschen ins Rumänische und umgekehrt. In den letzten 15 Jahren initiierte und koordinierte er eine Reihe von Kollaborationen und Festivals auf dem Gebiet des zeitgenössischen Theaters und Tanzes in und zwischen Rumänien und Deutschland. Er arbeitete am Nationaltheater in Timisoara, bei der Tanzkompanie fabrik in Potsdam, am Rumänischen Kulturinstitut in Berlin und am HAU Hebbel am Ufer in Berlin. Am HAU koordinierte er das Residenzprogramm Houseclub - für Künstler*innen, die in verschiedenen Projekten mit Schüler*innen zusammenarbeiten - sowie drei Jugendfestivals, We like China and China likes uns (2014) ), ArbeitLiebeGeld (2016) und Houseclub & Friends (2018) mit Schulen aus vier Berliner Bezirken. Ciprian Marinescu ist Kurator des Timișoara Performing Arts Festival.

Andrei Bârză

(geboren 1987 in Galatz, Rumänien, ist Filmemacher und bildender Künstler. Er hat Fotografie und digitale Medien an der Kunsthochschule Klausenburg in Rumänien studiert und lebt seit 2014 in Berlin. Er war in verschiedenen soziokulturellen Projekten des südost Europa Kultur e.V. tätig, sowohl als Sozialberater als auch in Zusammenarbeit mit dem Theater an der Parkaue. 2016 bis 2018 beteiligte er sich an der Arbeit der Stiftung zur Förderung sozialer Dienste mit geflüchteten Minderjährigen und ist seit 2017 aktives Mitglied in der Lehre und Organisationsarbeit des Berliner Kollektivs filmArche e.V.

Dan Lancea

ist Architekt und arbeitet seit 2010 in Berlin in den Bereichen Architektur und Design.

Sowohl als Künstler als auch als Architekt ist er in unterschiedlichen Kontexten und Umgebungen tätig, von Baustellen zu Unterrichtsräumen, von Theater- und Tanzstudios bis zu Filmsets oder Designstudios.

In den letzten Jahren entwickelte er das Bühnebild für das Theaterstück 'Reboot' in der Regie von Bogdan Georgescu und zusammen mit Jugendlichen der Hector-Peterson-Schule im Rahmen des “Houseclubs” am HAU Hebbel am Ufer. Im Rahmen des Festivals „Păcală nu-i - Neue theatralische Realitäten für Kinder und Jugendliche“ gestalte er das Set für das Theaterstück 'Anti heroe/s'  von Bogdan Georgescu in Zusammenarbeit mit der Theatergruppe Playhood und für die Tanzperformance "Vampire Stories" in der Choreographie von Kareth Schaffer zusammen mit Jugendlichen der Nikolau Lenau Schule in Temeswar. Als Bühnenbildner arbeitete er auch mit dem Choreographen Sergiu Matis’ und unter der Leitung von Production Designer Sebastian Soukup war er auch als Graphic Artist für unterschiedliche Filmproduktionen tätig. 2013 zeigte er am Staatstheater Karlsruhe die Kunstinstallation „Take a Peak“ im Rahmen des Festivals „Rumänien Wochenende“.

Julia Schreiner

studierte Theater- und Filmwissenschaften, Kulturwissenschaften und Kulturmanagement in Berlin und Strasbourg. Neben Aufenthalten in Istanbul, Peking, Abidjan (Goethe-Institut) und Zürich, ist sie seit 2005 freie Produktionsdramaturgin. Arbeiten u.a. an Deutsche Oper Berlin, Theaterhaus Gessnerallee, Theater Kiel, HAU, Ballhaus Naunynstraße, Sophiensaele. Sie initiiert eigene Projekte wie DIE BOHEME AM KOTTBUSSER TOR (mit Deutsche Oper Berlin)‚ DER SCHÖNE TOD (Konzept + Regie/ Artic Opera Norwegen), PHILOSOPHIE FÜR KINDER (Reihe), FILOU (Doku-Film, Regie & Idee). Sie kuratierte die WINTERAKADEMIE 3 und war Stipendiatin der DEFA-Stiftung sowie Jurorin verschiedener Festivals. Von 2011-2014 Dramaturgin/Theaterpädagogin am Theater an der Parkaue, von 2014-2016 Leiterin des Begleitprogramms am HAU. Seit 2016 u.a. Produktionsdramaturgin an der Jugendtheaterwerkstatt Spandau, hier verantwortlich für das jtw-ENSEMBLE, die internationalen Produktionen, Festivals, inklusive Formate. Zuletzt: DAS LEBEN IST TRAUM, DIE WAHRE GESCHICHTE, PLASTIK FANTASTIQUE und DER HERR DER KRÄHEN, DAS KROKODIL. Kooperationen mit Kolleg*innen aus Côte d'Ivoire, Angola, Brasilien, Dänemark, England.

Silke Wittig

(geboren 1981 in Bremen, lebt in Berlin) ist freie Kuratorin, Kunstvermittlerin und

Autorin für zeitgenössische Kunst. Sie studierte Fotografie und Digitale Medien bei Stan Douglas und Hito Steyerl an der Universität der Künste Berlin und der École des beaux-arts de Paris. Von 2008 bis 2010 war sie für die Videokunst-Sammlung Video-Forum des Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.) tätig. Von 2010 bis 2012 leitete sie im Rahmen des Robert Bosch Kulturmanager Programms die Kulturabteilung der NGO LOJA in Tetovo / Nordmazedonien. Von 2012 bis 2016 leitete sie die Bereiche Kommunikation und Kunstvermittlung am Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.). Als Kunstvermittlerin war sie zuletzt in Athen für das Goethe-Institut, die Agentur Big Olive und die documenta 14 tätig. Sie hat zahlreiche Videokunst-Screenings und Ausstellungen kuratiert, u. a. für den Neuen Berliner Kunstverein und das Goethe-Institut Bukarest, und war vielfach als Autorin sowie Redakteurin von Kunst-Publikationen tätig. Seit 2015 lehrt sie im Rahmen des UdK Zertifikatskurs Kuratieren.

Frank Weigand

geboren 1973 in Stuttgart, Studium der Romanistik, Philosophie und Komparatistik in Mainz und Dijon, lebt als freiberuflicher Kulturjournalist und Übersetzer in Berlin. Er interessiert sich vor allem für kollaborative Übersetzungsprozesse und den machtpolitischen Aspekt sprachlicher und kultureller Übertragung. In diesem Zusammenhang leitet er regelmäßig Übersetzerworkshops in Deutschland, Frankreich und Kanada. Bislang hat er rund 130 Theaterstücke hauptsächlich französischer und frankophoner Dramatiker sowie Sachbücher aus den Bereichen Soziologie, Philosophie und Performancetheorie ins Deutsche übertragen. Seit 2011 gibt er gemeinsam mit der Regisseurin Leyla-Claire Rabih die Theateranthologie „SCÈNE - neue französische Theaterstücke“ im Verlag Theater der Zeit heraus. Als Journalist ist er für Medien wie Die Deutsche Bühne, Tanz, Theater der Zeit, taz, Die Welt, Berliner Morgenpost tätig.

Mit besonderem Dank an:

Benita Bandow

für die Projektleitung in der Hector Petersen Schule

Mona Vintilă

Sozialarbeiterin

Mara Cîrpanu

geboren 1989 in Timisoara, Rumänien. Nach Abschluss der deutschen Schule zieht sie nach Wien und schließt, nach einem Soziologie-Bachelor an der Universität Wien, den Master in "Sozialwirtschaft und Soziale Arbeit" an der FH Campus Wien ab. Heute lebt sie in Berlin und arbeitet als Sozialarbeiterin mit zugewanderten Unionsbürger*innen aus Südosteuropa

Dan Florescu

Filmemacher

Frank Urban

Filmemacher

Alexandra Crăsnaru Dragomir

Kulturreferendin Rumänisches Kulturinstitut

Daniela Duca

Kulturreferendin Rumänisches Kulturinstitut

Monica Ciută

für das musical Coaching im Rahmen von "Liebes Deutschland"

 
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Eine Auswahl an Rumänischen Theatertexten über das Phänomen der Migration nach 1989.

„Rumänien! Ich küsse dich“, von Bogdan Georgescu,

„Verschwinden“, von Elise Wilk, in der Übersetzung von Frank Weigand und Ciprian Marinescu, und

„In der Luft“, von Alexandra Pâzgu, in der Übersetzung von Eva Ruth Wemme,

präsentieren drei unterschiedliche Perspektiven der Migration zwischen Europas Westen und Osten.

 
GESCHICHTEN DER MIGRATION
IM RUMÄNISCHEN THEATER NACH 1989

Oana Cîrpanu

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